Erfahre etwas über mich
Mein Name ist Michaela Marquardt und ich freue mich, dass Du mich näher kennenlernen magst. Bei der Frage, welches Wissen über mich Dir dabei helfen könnte, Dich für ein Stück gemeinsamen Weges zu entscheiden, habe ich zwei Anteile in mir. Der eine Anteil mag Dir in gewohnter Weise erzählen, welche Aus- und Weiterbildungen ich durchlaufen habe – wir mögen Abschlüsse und Zertifikate; sie geben uns Sicherheit.
Der andere Anteil möchte Dir nahebringen, wobei mein Herz schneller schlägt, wofür ich brenne und wann ich ein Leuchten in meinen Augen habe. Ich mag diese beiden Anteile gerne Hand in Hand gehen lassen.
Ich bin Jahrgang 1972 und wurde als dritte Tochter geboren, zu einer Zeit, die für meine Eltern nicht leicht war. Meine beiden Schwestern waren deutlich älter, ich kam als Nesthäkchen nach 11 Jahren nochmal nach. Meine Eltern gehörten zur Kriegsgeneration, also zu jener Generation, die ihre Gefühle verdrängen mussten, um im Krieg aufwachsen und überleben zu können. Ich wurde als Kind nicht ausreichend gesehen, meine Bedürfnisse nicht ausreichend begleitet. Nicht, weil sie mich nicht lieb gehabt hätten, sondern weil sie als Kinder selbst nicht das bekommen haben, was sie gebraucht hätten. Trauma kann auch transgenerational weitergegeben werden. So erlebte ich auch schon frühkindlich körperliche und psychische Gewalt – sie war damals ein ganz normaler Teil von Erziehung.
Ich war ein sehr einsames Kind, verstand oft nicht das, was Menschen miteinander machten, wie sie miteinander umgingen. Es ergab keinen Sinn für mich, so zu tun, als sei alles in Ordnung, wenn es eben doch nicht in Ordnung war.
Geprägt wurde ich durch die Sätze “Das macht man nicht!” und “Was sollen nur die Nachbarn denken!?”.
Der Schein nach außen war wichtiger als meine Gefühle, das Ansehen durch Nachbarn, Freunde, Bekannte war wichtiger als meine Bedürfnisse. Ich hatte materiell recht viel, war im Außen versorgt. Aber innerlich war ich oft zerrissen, allein, ohne Verbindung zu mir selbst und zu anderen. Ich lächelte, auch dann, wenn mir nach Weinen zumute war.
Meine Eltern waren fleißige Menschen. Sie arbeiteten beide sehr viel, erfüllten sich den Traum vom Eigenheim, hatten zwei Autos und fuhren in den Urlaub. Sie waren gesellig und gern gesehen bei Vereinskameraden, Verwandten und Bekannten. Ich lernte von ihnen, zu funktionieren, mich anzupassen und auch, über meine Grenzen zu gehen, meine Bedürfnisse hinter denen anderer zurückzustellen.
Ich habe eine gute Auffassungsgabe, mein Gehirn gehört zu den neurodivergenten Betriebssystemen und ich lerne gerne. So war ich unauffällig in der Schule, ging meinen Weg und war äußerlich das, was man erfolgreich nennt. Ich machte Abitur, ging in die Kfz-Lehre – es musste etwas sehr Emanzipatorisches sein – und wurde jung Kfz-Meisterin. Ich arbeitete in einem Berufsbildungszentrum, bildete Gesellen, Meister und auch Bundeswehrsoldaten aus. Ein tolle Zeit, in der ich viel von Männern über Männer lernen durfte. Noch heute denke ich gerne an diese Zeit zurück.
Ich hatte schon immer den Drang, zu lernen, zu wachsen, zu verändern. So nahm ich mit 30 ein Studium auf und wurde Diplom-Pädagogin. Nebenfach Psychologie, Schwerpunkt Beratung, Mediation, Supervision. Ich wollte schon immer Menschen und menschliches Miteinander verstehen.
Durch Haltung zum Job – ich möchte nicht, dass meine Altlasten die Qualität meiner fachlichen Arbeit beeinträchtigen – und einer persönlichen Krise kam ich zur Therapie, die ich gerne schon früher begonnen hätte. Über die Therapie kam ich zur Körperarbeit und darüber zum Tantra und zur Energiearbeit. Ich war schon immer ein spiritueller Mensch, naturverbunden, hellwissend und demütig im Großen Ganzen eingewoben.
Im Tantra fand ich einen Bereich, in dem ich zum ersten Mal abgespaltene Anteile nach Hause liebte und eine Idee davon bekam, dass ich – bei allem äußerlichen Erfolg – innerlich einsam und zerbrochen war. Ich hatte eine eigene Tantra-Massagepraxis, begleitete Männer, Frauen und auch Paare. Eine herzberührende und sehr bereichernde Zeit, die mich auf ihre Weise ein bisschen mehr zusammensetzte.
Durch die Trennung von meinem ersten Mann kam es zum beruflichen Wechsel. Ich arbeitete fortan in der Eingliederungshilfe. Zu Beginn als Sozialer Dienst und dann recht schnell als Leitung eines Wohnheims für Erwachsene mit sogenannter geistiger Behinderung.
Ich liebte diese Arbeit, die Begegnung mit diesen Menschen, die von uns geistig behindert genannt werden und doch so viel mehr Authentizität und Menschlichkeit leben.
Die Arbeit selbst war sinnstiftend und erfüllend; die Arbeit in den jeweiligen Systemen war es nicht. So sehr ich die Echtheit der behinderten Menschen genoss, so verwirrend und überfordernd waren die Verhaltensweisen der Mitarbeitenden für mich. Ich hatte schon immer eine Sehnsucht nach tiefgründiger, echter Verbindung. Eine Sehnsucht, die in unserer Arbeitswelt oftmals keinen Platz hat.
Ich bildete mich weiter. Im Studium lernte ich die GFK kennen, welche ich wieder aufleben ließ. Ich wurde Mediatorin auf Basis der Gewaltfreien Kommunikation (nach Marshall Rosenberg). Ich liebe und lebe die GFK seit fast zwanzig Jahren; sie ist die Basis meines Seins.
Durch die Begleitung der Menschen mit sogenannter geistiger Behinderung gehörte selbst- und fremdaggressives Verhalten und Gewalt zum Arbeitsalltag. Es folgte die Weiterbildung zur Part-Deeskalationstrainierin. Mein Herz lief über vor Freude, kamen die Inhalte aus den Kommunikationsunterrichten im Handwerk wieder zurück in mein Leben. Wir bildeten in einem Team die Mitarbeiter*innen in Deeskalation weiter; sehr schöne und erfüllende fünf Jahre, in denen ich zum ersten Mal erleben durfte, was es heißt, in einem echten Team zu arbeiten. Etwas, das ich sehr vermisse.
Je weiter ich in die Materie einstieg, desto größer wurde mein Wunsch, mir noch mehr Wissen über die Gründe für gewaltvolles Verhalten anzueignen. Die Deeskalation und die GFK haben im Kern gemeinsam, dass Menschen sich verhalten, um sich ihre Bedürfnisse zu erfüllen. Als Tantrikerin liebe ich es, zu verweben; das Verwebenkönnen macht mich aus. Meine Reise ging weiter.
Neben GFK und Deeskalation kam die Weiterbildung zur Traumapädagogin und Traumafachberaterin dazu. Dort gibt es das Konzept des “Guten Grundes”. Jegliches Verhalten hat seinen guten Grund, den es herauszufinden gilt.
Wir stellen erst den Bezug zum guten Grund her, gestalten die Beziehung, die für traumatisierte Menschen meist sehr herausfordernd und auch mit Angst besetzt ist und erst, wenn Sicherheit und Beziehung hergestellt werden konnten, geht es um die Korrektur von Verhalten, welches nicht lebensdienlich ist.
In dieser bedürfnisorientierten Arbeit bin ich zuhause; darin blühe ich auf.
Wenn ich an Systemgrenzen stoße und ich merke, dass Weiterentwicklung nicht gewollt ist, nicht mitgetragen werden kann, wird es Zeit für mich, zu gehen und neue Wege zu erkunden.
So wechselte ich in 2024 nach über einem Jahrzehnt in der Eingliederungshilfe in die Kinder- und Jugendhilfe.
Ich wollte vom “Ende der Hilfekette” an den Anfang wechseln und frühzeitiger im Hilfeprozess tätig sein.
Traumapädagogische Arbeit ist noch eine recht junge Profession; sie zieht erst allmählich in den Arbeitsalltag im sozialen Bereich ein.
Vielen macht die Arbeit mit Gefühlen und Bedürfnissen noch Angst und sind daher z.T. auch ablehnend eingestellt. Räume zu halten, in denen sich intensive Gefühle zeigen, kann eine Herausforderung sein. Umso größer ist meine Freude, wenn ich erlebe, dass sowohl Fachkräfte im sozialen Bereich als auch selbst von Trauma Betroffene ein immer größer werdendes Interesse am Thema Trauma und seine Auswirkungen haben.
Daher geht mein Weg nun weiter mit meiner nebenberuflichen Selbstständigkeit und eigener Praxis. Ich bin fokussiert auf den Bereich von Bindungs- und Entwicklungstrauma, welches oftmals unter dem Erleben von Phänomenen und Symptomen liegt, ohne dass uns das bewusst ist.
Ich liebe es, Bewusstsein zu schaffen und Verbindung herzustellen zwischen selbst Erlebtem und möglicher Traumatisierung.
Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen.














