Beratung, die die Möglichkeit eines Traumas mitdenkt
Im geschützten Rahmen einer traumasensiblen Beratung kannst Du achtsam Deine biographischen Erlebnisse erforschen, Dir bewusst machen, wie (un)sicher Deine Bindungs- und Beziehungserfahrungen waren und sind und entdecken, woraus Du Deine Kraft ziehen kannst.
Du kannst kennenlernen, wie Du in Dir Deinen sicheren Ort gestaltest, um Dich zu stabilisieren und Alltagssituationen wieder besser bewältigen zu können. Du kannst erkunden, wodurch Du gut in Deinem Körper sein und ihn (wieder) mehr spüren kannst. Dadurch kannst Du Deine Bedürfnisse und Grenzen (wieder)entdecken und selbstfürsorglicher handeln lernen.
Du hast die Möglichkeit, Deinen individuellen Überlebenstypus zu entdecken – Bist Du ein Kämpfer, Flüchter, Erstarrer oder Beschwichtiger? – Du kannst herausfinden, welcher Anteil nachreifen und präsenter werden darf.
Du kannst für Dich und Deinen Alltag individuelle Übungssituationen entwickeln, um Dein Nervensystem (wieder) in Balance zu bringen und zu stärken.
Bindungs- und Entwicklungstrauma
Der Fokus meiner Arbeit, mein Herzensthema, ist das Bindungs- und Entwicklungstrauma. Wachsen wir in einer liebevoll versorgenden und bedürfniserfüllenden Umgebung auf, entwickeln sich Ressourcen und unser Gehirn auf eine bestimmte Art und Weise. Erleben wir dann ein Trauma – auf diesem soliden Fundament – können wir auf diese Ressourcen und Stärken in uns zugreifen. Wir können das Trauma leichter verarbeiten, teilweise sogar ohne langfristige Traumafolgen zu entwickeln. Wir können ggf. in den Zustand vor dem traumatischen Ereignis zurückkehren.
Erleben wir jedoch schon frühkindlich Bindungs- und Entwicklungstrauma, so ist unsere gesamte Entwicklung davon beeinflusst. Unser Gehirn entwickelt sich anders. Es wertet Umgebungsreize schneller als gefährlich und bedrohlich ein und auch häufiger. Unsere Persönlichkeitsentwicklung kann so beeinflusst werden, dass sich die Stressmuster (4 F´s) festsetzen.
Die Stressmuster fight, flight, freeze und fawn kommen nicht mehr variabel und angemessen vor, sondern ein, zwei der Strategien werden zur Hauptreaktion bei Stress. Wir entwickeln uns in Stresssituationen zu Kämpfer, Flüchter, Erstarrer und Unterwürfigen, auch bedingt durch Umfeld und vorgelebten Bindungsverhalten unserer Bezugspersonen.
Trauma bedeutet, sich hilflos und ausgeliefert zu fühlen.
Gleichzeitig haben wir Bewältigungsstrategien, um damit umzugehen.
Trauma bleibt im Körper. Der Schrecken des Erlebten ist im Körper gespeichert. Dies hat zur Folge, dass unser Nervensystem permanent die Umgebung scannt, ob diese sicher oder unsicher ist. Wir sind und bleiben in höchster Alarmbereitschaft, sind ständig auf der Hut und haben Schwierigkeiten, anderen Menschen zu vertrauen.
Wir haben nachfolgend Schwierigkeiten, uns selbst wahrzunehmen, unsere Grenzen zu spüren und diese auf gesunde Weise sichtbar zu machen. In uns ist ein Mangel an Gesehenwerden und wir tun als Erwachsene viele Dinge nur, um endlich einmal gesehen und richtig verstanden zu werden. Wir verlieren uns in der Suche nach oder in der Vermeidung von Bindung. Wir haben kein Konzept von Bindung, wissen nicht so recht, wie das geht. Wir haben es nie beigebracht bekommen, in Verbindung mit uns selbst und gleichzeitig mit anderen zu sein. Was wir lernten, war irgendwie zurechtzukommen. Wir können kämpfen, flüchten, erstarren oder uns unterwerfen und beschwichtigen und darüber in Kontakt mit anderen sein. Aber wir können uns nicht verbinden; weder ausreichend mit uns selbst noch in Verbindung sein mit anderen.
Trauma will zuende bringen.
Alles, was wir in der Gegenwart erleben, wird mit dem verglichen, was einmal erlebt wurde und es werden die Handlungsstrategien aktiviert, die sich damals als sinnhaft fürs Überleben herausgestellt haben. Hat unser Nervensystem abgespeichert, dass Kämpfen eine gute Strategie war, kämpfen wir auch als Erwachsene über die Maßen. War flüchten eine sinnhafte Strategie, laufen wir auch heute noch vor Konflikten und intensiven Gefühlen davon. Haben wir erlebt, dass wir weder kämpfen noch flüchten konnten und sind deswegen erstarrt, erstarren wir auch heute noch im Miteinander – wir sind körperlich anwesend, aber innerlich “weg”. War die Überanpassung die sinnhafteste Strategie fürs Überleben, beschwichtigen und unterwerfen wir uns auch heute noch den Wünschen und Bedürfnissen anderer.
In der traumasensiblen Arbeit geht es darum, aus dem “Damals und Dort” ins “Heute und Hier” zu kommen. Es geht darum, dem Nervensystem Raum fürs Nachreifen zu geben, so dass es in der Gegenwart ankommen kann. Dadurch passieren uns Verhaltensweisen nicht mehr nur, sondern wir können frei wählen, wie wir uns verhalten.
Komme von Deinem “Damals und Dort” ins „Heute und Hier“ – erlebe Dich selbstwirksam.
Häufige Fragen – FAQ
Was ist ein Trauma?
Ein Trauma ist eine seelische Wunde, die durch eine gefährliche Bedrohung entstanden ist und extreme Gefühle wie Angst, Verzweiflung und Ohnmacht auslöste. Die eigenen Bewältigungsmechnismen haben versagt und man fühlte sich der Situation, dem Erleben hilflos ausgeliefert. Es kam in Folge zu einer Erschütterung des Selbst- und des Weltverständnisses. Jede traumatische Erfahrung bedeutet Kontrollverlust.
Welche Symptome können bei einem Trauma möglich sein?
Albträume, Schlafstörung, Grübeln, Flashbacks, Vermeidung, Lähmung, Lust- und Freudlosigkeit, Abstumpfen, Isolation/sozialer Rückzug, nicht alleine sein können, Regression (Einnässen, Einkoten), Angst vor/in Gruppen, Erstarren, innere Leere (Tunnelblick), somatoforme Dissoziation, hypersensible Wahrnehmung, innere Unruhe, Anspannung, Schreckhaftigkeit, Angst vor Dunkelheit, Konzentrationsstörung, aggressives Verhalten, emotional überzogenes Verhalten, Rastlosigkeit (“permanentes Tun”; “Duracell-Häschen”), Konflikte/Streit/Ärger suchen.
Was ist somatoforme Dissoziation?
Körperliche Symptome, die nicht durch körperliche Ursachen bedingt sind (psychosomatische Beschwerden), z.B. chronische Schmerzen und Schwindel, Atemprobleme, Kribbeln, Schweißausbrüche, Übelkeit, Bauchschmerzen, Kopf- und Gesichtsschmerzen, Brustschmerzen, Herzrasen, Blähungen, Rückenschmerzen, Hitzewallungen.
Was ist der Unterschied zwischen Traumafachberatung und Traumatherapie?
In der Traumafachberatung gibt es die 3 Säulen: Psychoedukation (Wissen über Trauma), Stabilisierung und Ressourcenarbeit. In der Traumatherapie gibt es zusätzlich noch die Traumakonfrontation und Integration.
Was bedeutet es, eine traumasensible Haltung zu haben?
Wir gehen in der Traumapädagogik (Arbeit mit Kindern) und der Traumafachberatung (Arbeit mit Erwachsenen) von einer Traumatisierung aus; wir arbeiten mit der Hypothese, es könnte ein Trauma zugrunde liegen. Dementsprechend ist unsere Achtsamkeit erhöht. Ich achte z.B. auf Mikroausdrücke, auf Atmung, Körpersprache, Mimik, Sprechgeschwindigkeit, Schwingung, Atmosphäre, um den Raum sicher zu gestalten und halten zu können. Für mich ist eine traumasensible Haltung Empathie vereint mit Traumawissen. Ich achte auf die Arbeitsgeschwindigkeit, vorhandene Ressourcen, auf die Gestaltung von Übergängen und eine Entschleunigung fürs Nervensystem. Durch eine traumasensible Haltung ermögliche ich, korrigierende Beziehungserfahrungen machen zu können.
Was bedeutet Dissoziieren, Dissoziation?
Im Traumakontext ist das Dissoziieren ein toller Überlebensmechanismus, der es ermöglicht, sich innerlich vom Erleben zu distanzieren, wenn sich körperlich nicht entfernt werden kann. Es ist ein “Webbeamen”, ein “in Trance sein”. Man beobachet sich selbst von außen, ohne fühlen zu müssen, was erlebt wird. In diesem Zustand werden alle Sinneswahrnehmungen heruntergefahren. Man fühlt z.B. Schmerz und Panik nicht mehr. Auch die Erinnerung verändert sich. Man kann sich hinterher nicht mehr an alles erinnern. Dissoziation läuft nicht bewusst ab. Sie unterbricht die linke und rechte Gehirnhälfte, was z.B. das Sprachzentrum herunterfährt. Das Denken (im präfronteln Kortex) ist unterbrochen; die kognitiven Fähigkeiten sind nicht mehr da.
Was sind komorbide Störungen?
Eine psychische Störung, die neben einer anderen psychischen Störung vorhanden ist. Begleiterkrankungen von Trauma sind z.B.: Depression, Angststörung, Zwangsstörung, Essstörung, Selbstverletzung, Suchtproblematik, Suizidalität –
Parasuizidalität, Auffälligkeiten im Bindungsverhalten, sexualisiertes Verhalten, Persönlichkeitsstörungen (z.B. Borderline).
Was macht ein Bindungs- und Entwicklungstrauma so herausfordernd?
Erlebt ein Kind frühkindlich traumatische Ereignisse, so kann es sich nicht ausreichend entwickeln. Es kann in Akutsituationen nichts anderes tun als sich anzuspannen, zu schreien oder zu erschlaffen. Mehr Möglichkeiten hat es nicht zur Verfügung. Diese drei Verhaltensweisen werden mitgenommen und zeigen sich dann auch als Jugendlicher und Erwachsener; oft als “situationsunangemessen”, “übertrieben”, “drüber”. Erlebt ein Säugling, ein Kleinkind bereits vorsprachlich traumatische Ereignisse, so hat es dafür keine Worte, aber das Trauma ist trotzdem im Körper gespeichert. Der Körper erinnert sich, auch wenn keine Worte dafür da sind. Frühkindliche Traumatisierung bedeutet oft, dass sich eine Trauma-Identität entwickelt, die als solche nicht erkannt wird bzw. nicht erkannt werden kann, weil man keinen Vergleich zwischen “vor dem Trauma” und “nach dem Trauma” ziehen kann; Trauma, Überlebensmuster und Traumafolgen sind Normalität. Überlebensmechanismen werden somit als Charakterzüge bzw. als Persönlichkeitsanteile fehlinterpretiert. Man ist sich nicht bewusst, dass man traumatisiert ist und kann somit auch nicht an den Traumafolgen arbeiten. Dies wiederum kann zu Problemen im zwischenmenschlichen Bereich führen. Auch die Gesundheit kann darunter leiden. Durch die frühe Traumatisierung kann sich eine “Daueranspannung” und Stress einstellen, die als solche gar nicht wahrgenommen und als normal erlebt wird. Dies kann auch das Immunsystem belasten. Wer keine Sicherheit erfahren konnte, kann als Erwachsener Sicherheit als Bedrohung erleben, was wiederum das Beziehungsverhalten beeinflusst. Es kann sich auch eine dissoziative Lebensweise entwickeln.
Was bedeutet es, körpernah zu arbeiten?
Körpernah bedeutet, anzuerkennen, dass Trauma im Körper gespeichert ist und nicht nur kognitiv gearbeitet werden kann, sondern der Körper mitgenommen werden muss. Neben der Psychoeduaktion (Wissensvermittlung über Trauma) ist die Körperarbeit meine zweite Hauptsäule. Ich arbeite nervensystemorientiert. Körperberührung findet durch mich nur dort statt, wo es als unterstützend erlebt und gewünscht wird. Übung mit auch körperlicher
Grenzsetzung kann sehr wertvoll und hilfreich fürs Erleben und Verarbeiten sein, ist aber keine Notwendigkeit.
Was ist Co-Regulation?
Co-Regulation ist eine Mit-Regulierung von außen über Bindung. Mein Nervensystem ist reguliert, ich bin in mir sicher und reagiere elastisch auf das, was in Dir lebendig wird. Ich bin da, bin präsent, bezeuge Deine Reise zu Dir selbst. Ich bleibe, bei all dem, was sich in Dir zeigen mag. Ich gebe Halt, wenn Du innere Landschaften erkundest, die Dir noch fremd erscheinen. Ich begleite Deine Erfahrung, im Körper zu sein statt nur im Kopf. Meine Präsenz bedeutet pacing und leading, wenn Du dies beim Üben des Fühlens brauchst. Dein Nervensystem kann sich an meinem regulierten Nervensystem orientieren. Meine Sicherheit und Ruhe übertragen sich auf Dich. Traumaarbeit bedeutet oft Stress und ein sehr wachsames Nervensystem. Es braucht dann eine Bezugsperson, die Signale von Sicherheit sendet. Ich bin der Fels in der Brandung; der Ruhepol. Co-Regulation geschieht über meine verkörperte Präsenz. Du darfst fühlen, was Du gerade fühlst und ich bleibe innerlich stabil und halte den Raum für Dich.
Was bedeutet “den Raum halten” bzw. “den Raum behalten zu bekommen”?
Trauma bedeutet, in der Situation, die uns überfordert hat, allein gewesen zu sein mit den uns überrollenden Emotionen. Wir konnten diese intensiven Emotionen noch nicht allein verarbeiten, noch nicht (aus)halten, noch nicht bewältigen. Es fehlte an der Co-Regulation durch eine Bezugsperson. Raum gehalten zu bekommen bedeutet, mit intensiven Emotionen nicht (mehr) alleine sein zu müssen. Ich bin in mir verankert und halte es aus, Dich in dem zu begleiten, was sich in Dir zeigen mag. Ich bin Zeugin Deines Erlebens und co-reguliere falls nötig. So darf und kann Dein Nervensystem lernen, dass Emotionen fließen können, ohne dass sie bewertet werden oder verdrängt werden müssen.
Wann macht eine Traumafachberatung Sinn?
Wenn Du ein leises Ja verspürst, wenn Du die Wahrnehmung, die Ahnung hast, das könnte noch ein Puzzlestück sein, das Deinen Wissensschatz ergänzt, wenn Du schon länger nach Antworten suchst und Dir gefühlt immer noch was fehlt, wenn es Dir schwerfällt, selbstfürsorglich zu sein und Grenzen zu setzen, wenn Dich in den immergleichen Kreisläufen wiederfindest, wenn Du neugierig auf das Thema Trauma bist, wenn Du mit traumatisierten Menschen arbeitest, wenn ein*e Angehörige*r traumatisiert ist, wenn Du Dir (präventiv) Wissen über Trauma für die Erziehung/Begleitung Deines Kindes aneignen magst.






